Kann man in Deutschland gekündigt werden, wenn man krank ist?

Kann man in Deutschland gekündigt werden, wenn man krank ist?
Kann man in Deutschland gekündigt werden, wenn man krank ist?

Kann man in Deutschland gekündigt werden, wenn man krank ist?

Viele Arbeitnehmer sind verunsichert, wenn sie länger krankgeschrieben sind oder häufiger ausfallen. Die Angst ist verständlich: Wer arbeitsunfähig ist, möchte sich auf die Genesung konzentrieren – nicht auf arbeitsrechtliche Konsequenzen. Gleichzeitig stellen sich viele Betroffene die Frage, ob eine Kündigung während einer Krankheit überhaupt erlaubt ist oder ob sie automatisch unwirksam wäre.

Die kurze Antwort lautet: Ja, man kann in Deutschland grundsätzlich auch während einer Krankheit gekündigt werden. Allerdings bedeutet das nicht, dass jede Kündigung rechtlich wirksam ist. Gerade in solchen Fällen ist es sinnvoll, frühzeitig eine rechtliche Prüfung einzuholen. Die Kanzlei Rechtsanwälte Zimansky mit Sitz in Erkelenz unterstützt Mandantinnen und Mandanten bei Fragen rund um Kündigung, Kündigungsschutz und arbeitsrechtliche Ansprüche.

Kündigung trotz Krankheit – was ist erlaubt und was nicht?

Eine Kündigung allein wegen einer Krankschreibung ist nicht automatisch rechtmäßig. Entscheidend ist, ob die Kündigung arbeitsrechtlich begründet werden kann. In vielen Fällen handelt es sich um eine sogenannte personenbedingte Kündigung wegen Krankheit. Diese ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Wichtig ist dabei: Krankheit ist kein „Kündigungsverbot“. Trotzdem muss der Arbeitgeber bestimmte Anforderungen erfüllen, damit die Kündigung vor Gericht Bestand hätte.

Typische Gründe, die Arbeitgeber anführen, sind:

  • häufige Kurzerkrankungen über einen längeren Zeitraum

  • eine lange Erkrankung mit negativer Gesundheitsprognose

  • dauerhafte Einschränkungen, die die Arbeitsleistung verhindern

  • erhebliche betriebliche Belastungen durch die Fehlzeiten

Ob diese Gründe wirklich ausreichen, hängt immer vom Einzelfall ab. Häufig sind Kündigungen wegen Krankheit angreifbar, weil Arbeitgeber formale oder inhaltliche Fehler machen.

Wann ist eine Kündigung wegen Krankheit wirksam?

Damit eine krankheitsbedingte Kündigung rechtlich wirksam sein kann, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Arbeitgeber müssen in der Regel nachweisen, dass die Krankheit nicht nur vorübergehend ist und dass der Betrieb durch die Fehlzeiten erheblich beeinträchtigt wird.

Typische Prüfpunkte sind:

  • Gibt es eine negative Gesundheitsprognose?

  • Sind die Fehlzeiten erheblich und dauerhaft?

  • Entstehen dem Arbeitgeber dadurch wirtschaftliche oder organisatorische Nachteile?

  • Gibt es mildere Mittel als eine Kündigung, z. B. Umsetzung oder Anpassung der Tätigkeit?

Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Denn häufig wird nicht ausreichend geprüft, ob eine Weiterbeschäftigung unter anderen Bedingungen möglich wäre.

Welche Rolle spielt das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM)?

Wenn Arbeitnehmer länger krank sind, kommt häufig das sogenannte BEM-Verfahren ins Spiel. Dabei geht es darum, Möglichkeiten zu finden, wie eine Rückkehr in den Arbeitsplatz möglich ist oder wie die Tätigkeit angepasst werden kann.

Ein fehlendes oder fehlerhaft durchgeführtes BEM kann in vielen Fällen ein wichtiger Punkt bei der rechtlichen Bewertung einer Kündigung sein. Arbeitgeber müssen sich in der Regel ernsthaft damit auseinandersetzen, ob es Alternativen zur Kündigung gibt.

Für Arbeitnehmer bedeutet das: Wenn Sie krank waren und gekündigt werden, sollte geprüft werden, ob der Arbeitgeber zuvor überhaupt Maßnahmen ergriffen hat, um eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen.

Was sollten Arbeitnehmer tun, wenn sie während Krankheit gekündigt werden?

Wenn eine Kündigung während einer Krankschreibung kommt, sollten Betroffene nicht vorschnell reagieren. Viele machen den Fehler, aus Angst oder Überforderung gar nichts zu unternehmen. Dabei ist gerade jetzt schnelles Handeln wichtig.

Sinnvolle Schritte sind:

  • Kündigungsschreiben und Umschlag mit Zustellungsdatum aufbewahren

  • Arbeitsvertrag und relevante Unterlagen sammeln

  • keine vorschnellen Erklärungen unterschreiben

  • prüfen lassen, ob Fristen laufen

  • rechtzeitig anwaltliche Beratung einholen

Oft besteht die Möglichkeit, gegen die Kündigung vorzugehen oder zumindest bessere Bedingungen zu verhandeln.

Welche Folgen hat eine Kündigung während Krankheit?

Viele Betroffene befürchten, dass eine Kündigung während Krankheit automatisch bedeutet, dass sie keine Rechte mehr haben. Das ist nicht richtig. Je nach Situation können weiterhin Ansprüche bestehen, zum Beispiel:

  • Anspruch auf Entgeltfortzahlung (je nach Zeitraum)

  • Anspruch auf Resturlaub oder Urlaubsabgeltung

  • Anspruch auf ein korrektes Arbeitszeugnis

  • mögliche Ansprüche aus Kündigungsschutzverfahren

  • Verhandlungsoptionen in Richtung Abfindung oder Vergleich

Welche Ansprüche im konkreten Fall bestehen, sollte individuell geprüft werden. Gerade bei Kündigungen ist eine professionelle Einschätzung wichtig, um nichts zu verschenken.

Häufige Fragen zur Kündigung bei Krankheit (FAQ)

Darf ein Arbeitgeber kündigen, obwohl man krankgeschrieben ist?

Ja, grundsätzlich ist das möglich. Ob die Kündigung wirksam ist, hängt jedoch von den Umständen ab.

Ist eine Kündigung während Krankheit automatisch unwirksam?

Nein. Sie ist nicht automatisch unwirksam, kann aber angreifbar sein, wenn die Voraussetzungen nicht erfüllt sind.

Muss ich trotz Krankheit auf eine Kündigung reagieren?

Ja. Auch wenn Sie krank sind, laufen Fristen weiter. Eine verspätete Reaktion kann dazu führen, dass Sie keine rechtlichen Möglichkeiten mehr haben.

Was ist, wenn ich schon lange krank bin?

Gerade bei längerer Krankheit kommt es darauf an, ob eine negative Prognose besteht und ob der Arbeitgeber Alternativen geprüft hat.

Fazit: Kündigung bei Krankheit ist möglich, aber häufig prüfenswert

Eine Kündigung während Krankheit ist rechtlich nicht ausgeschlossen. Trotzdem sind viele Kündigungen in solchen Situationen nicht automatisch rechtmäßig und sollten sorgfältig geprüft werden. Wer frühzeitig reagiert, kann Chancen sichern und Fehler des Arbeitgebers aufdecken.

Wenn Sie während einer Krankheit gekündigt wurden, sollten Sie Ihre Kündigung rechtlich prüfen lassen und keine Fristen verstreichen lassen.